
Dass Tai Chi zu einem der wirkungsvollsten Übungssysteme unserer Zeit gehört, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Der Aspekt "Vereinigung der Gegensätze Ruhe bzw. Entspannung und Bewegung" ist für viele Menschen attraktiv - vor allem in einer Welt, welche durch Hektik geprägt ist.
Das Ursprungsland des Tai Chi Chuan ist China. Besucht man in den frühen Morgenstunden einen Park in China, wird man dort noch heutzutage die verschiedensten Bewegungsformen und -stile des Tai Chi Chuan beobachten können.
Tai Chi Chuan verbindet, vor allem in der langsamen Form, natürliche Bewegungen, die langsam und fließend ausgeführt werden und zudem für ihre gesundheitsfördernde und entspannende Wirkung bekannt sind.
Die ausgeführten Bewegungen entfalten sich ohne Kraft auf natürliche Weise durch die Gelenke hindurch und werden dabei von einer natürlichen Atmung begleitet.
Als erstes gilt: Tai Chi Chuan ist in jedem Alter erlernbar.
Weiterhin ist Tai Chi Chuan für Jeden, der durch leicht ausgeführte Übungen Wohltat für Körper und Geist sucht.
"Wer Tai Chi Chuan regelmäßig übt,
erlangt die Geschmeidigkeit eines Kindes,
die Gesundheit eines Holzfällers
und die Gelassenheit eines Weisen."
(chinesisches Sprichwort)
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Shannon Kawika Phelps, M.A., M.Div.
Fu Zhensong
Unter westlichen Interessierten, die sich ernsthaft mit den weichen Kampfkünsten von Wudang auseinandersetzen, wird der Name Fu Zhensong zunehmend geläufiger. Erst vor Kurzem kamen Bruchstücke seiner Lebensgeschichte ans Licht und seine Nachfolger beginnen, seine Kunst zu verbreiten. Zu seiner Zeit war er bekannt für sein Tai Chi Chuan, das Dragon-Palm-Bagua und eine einzigartige Kunst, durch die er beabsichtigte, Taiji und Bagua zu verbinden - das Liangyiquan.
Fu Zhensong war ein wirklich bemerkenswerter Vertreter der traditionellen chinesischen Kampfkünste: er lernte Chen-Tai Chi Chuan von Chen Yanxi aus dem berühmten Dorf Chen, studierte Bagua in Peking während dessen "Goldenen Zeitalters" und tat sich selbst in dieser erlesenen Gesellschaft hervor. Er verfügte über einen ausgeprägten Hintergrund in Tai Chi Chuan, Bagua, Xinyi sowie in Tai Chi Chuan Schwert und Speer und gewann mindestens zwei freie Wettkämpfe in Peking, bevor er einer Einladung in den Süden folgte, um dort seine nördlichen Stile zu unterrichten. Seine Familie erzählt nur widerstrebend Geschichten aus dem privaten Bereich. Eine davon ist hier erwähnenswert: Fu besiegte seinen Freund, den legendären Yang Chengfu (Yang Chengfu wird als der Begründer des heutigen Tai ChiChuans angesehen), im Pushing Hands, wobei Yang, besorgt um seine Stellung als stolzer Yang Erbe, zu seiner Verteidigung gesagt haben soll: "Du hast nur gewonnen, indem du plötzlich zu deinen Bagua-Techniken gewechselt hast - du bist in der Tat der Meister des Bagua - aber ich bin noch immer der Meister des Tai Chi Chuan!" Des Weiteren tauschte Fu das Wissen langjähriger Erfahrung mit dem ebenso berühmten Sun Lutang aus; Sun´s Einfluss kann noch immer in Fus eigenem Tai Chi Chuan-Stil beobachtet werden.

Obwohl es selten erwähnt wird, ist das Tai Chi Chuan Fus eines der großen Systeme, die bis heute erhalten sind. Es integriert die Essenz der Yang-Schule, die explosiven Chen-Techniken und auch die subtile Kraftentwicklung (fajing) der Sun-Schule ist deutlich zu erkennen. Sein einzigartiger Beitrag besteht in seinem Einsatz von rollenden Hüftbewegungen [waist coilings] und Rotationen [wheel turns], die er für wichtig zur Entwicklung echter Kampfkraft hielt. Diese wurden zum typischen Merkmal aller seiner Künste, zweifellos weil er fühlte, dass ihm diese Techniken am besten im wirklichen Kampf halfen. Fu-Stil-Tai Chi Chuan erfordert, alle Bewegungen links und rechts auszuführen - die abschließende Form ist deshalb ziemlich lang und erfordert eine große Konzentration auf die Atemkontrolle.
Grossmeister Fu Zhensong
In modernen Kampfkunstkreisen wird Fu-TaiChi Chuan selten erwähnt. Es dauerte einige Zeit, bis der Grund dafür deutlich wurde, der nach Eingeständnis der Familie mehr in politischen als irgendwelchen anderen Ursachen zu suchen ist: Mitte der 50er Jahre, einige Zeit nach Fu´s Tod, entschied die kommunistische Zentralregierung, die Kampfkünste müssten besser kontrolliert werden, wenn sie auch auf Grund ihrer Verankerung in der Gesellschaft nicht völlig zu unterdrücken waren. Der Weiße Lotus, Triade und Boxer waren nur einige der subversiven Geheimgesellschaften, die in enger Verbindung zu dem überkommenen Wissen um die Kampfkünste standen, weshalb die neuen Diktatoren zu Recht den Einfluss ihres Vorbilds auf die Herzen und Gemüter des Volkes fürchteten. Die Regierung reagierte, indem sie selbst die Führung im Unterrichten der Kampfkünste übernahm und dabei diejenigen Elemente, die gefährlich werden konnten, ausschaltete. Kampfkunst sollte zu einer Art "Volkskunst" werden, wie Tanzen. Die "positiven" Aspekte Gesundheit, Jugendlichkeit und öffentliche Aufführungen sollten betont werden, während das beharrliche mentale und spirituelle Training der alten Kampfelemente ignoriert und in letzter Konsequenz vergessen gemacht werden sollte.
Die Regierung suchte diese Ziele zu erreichen, indem sie ein nationales Kampfkunstkomitee schuf mit dem Auftrag, die Lehren und Formen der zahllosen Schulen zu standardisieren. Viele der alten Meister, die einen williger als die anderen, beteiligten sich an dem Projekt. Sie wurden hoch geehrt und dazu gebracht, die Umwandlung zum "modernen Wushu" zu leiten. Viele hatten gemischte Gefühle bezüglich der Rolle, die sie spielen sollten; andere, die nach nationaler Anerkennung strebten, fanden diese plötzlich.

Grossmeister Fu Yonghui und Sifu Andreas Hoffmann beim Tai Chi Push hands
Fu Yonghui war der Sohn und einzige rechtmäßige Erbe von Fu Zhensongs Kunst. Weit von der Zentralregierung entfernt lebte er in Guangzhou (Kanton) und weigerte sich beharrlich, das Erbe seines Vaters durch die Regierung standardisieren zu lassen. Um dem Druck zu entgehen, musste er oftmals die Hilfe seiner alten Verbündeten und denen seines Vaters in Anspruch nehmen. Er hatte Erfolg - aber auch dafür zu bezahlen. Er kam der Führungselite in Peking "aus den Augen, aus dem Sinn". Niemand brandmarkte die Künste der Fu-Familie. Ihre Kunst litt lediglich unter einer günstigen Nichtbeachtung. Da das Fu-TaiChi Chuan von der nördlichen Regierung ignoriert wurde, verlor es aber auch jede offizielle Position, von der es andernfalls vielleicht hätte Vorteile ziehen können.
Fu-Tai Chi Chuan wird in Guangzhou und Hongkong, wohin Teile der Familie emigrierten, noch immer viel praktiziert, aber es wird selten zusammen mit den anderen Tai Chi Chuan-Systemen aus Nordchina - wie Chen, Yang, Hao, Wu oder Sun - aufgelistet.
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